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Datsun 260Z 2+2

The Z Side of Life.

Es muss Revell gewesen sein …

… Dieser Hersteller für Bausätze von Autos, Motorrädern, Booten…
Zumindest bekam ich als kleines Kind einen roten Mazda Miata. Bis auf die Spiegel hatte ich ihn auch zusammen, doch irgendwann verschwand er auf einem Regal und hat bis heute leider nicht überlebt. Zu gering war das Verständnis für solch einen Roadster.

Doch die kleine Flamme brannte in mir drin noch viele Jahre bis sie zu einem großen Feuer entfachte und die Leidenschaft für Automobilgut aller Couleur in mir antrieb.

Geprägt von den Eltern, die früher schon Datsun fuhren, einem parkenden 300ZX und dem Onkel, der irgendwann im Sunny GTI unterwegs war, war klar: Du brauchst einen Z, einen richtigen, einen alten.
Ob 240, 260 oder 280 war erst einmal egal. Zu groß war das Verlangen, die lange Familientradition aufrecht zu halten und selbst hinter das Steuer des japanischen Kulturgutes zu steigen.

Der Plan war gefasst, die Umsetzung dauerte lange 8 Jahre. Kein Z war am Markt, der auch nur im Ansatz das ist, was man irgendwie als „perfekt“ bezeichnen könnte. Der eine in Berlin schimmelte - auch wenn der Verkäufer zuvor behauptete dass er lupenrein sei, auch wenn er sich bewiesenermaßen lange nicht mehr druntergelegt hatte. Der andere in Hockenheim zu schlecht restauriert und irgendwie doch nicht das Wahre.
Dann lange … Nichts.

Viele Baustellen, viele mühsame Versuche später und dann: Mitten in Frankfurt, direkt vor der Nase und keine 10km von der Haustür entfernt stand er da. Ein 1978er 260Z 2+2. In dunkelblau. Mit schwarzem Leder. Perfekt.
Platte Reifen, feste Bremsen, aus dem Auspuff kam Öl, aus dem Vergaser der Sprit. Der Verkäufer eher ein Seeräuber und nicht ganz auf der Höhe der Zeit, was die Pflege und das Einmotten des Fahrzeugs angeht.

Der Preis wurde schnell auf ein Drittel gestutzt. Man wurde sich einig. Ölkanister, Benzin, eine volle Batterie später: Der Motor läuft.
Mit fester Bremse und qualmendem Motor fuhr der treue Gefährt auf nur 5 Zylindern und rauchendem Schlot auf eigener Achse direkt in die neue Heimat. Ein Erlebnis. Wirklich Weltklasse.

Der Vergaser, die Reifen und manch andere Technik war schnell im Griff. Einige Kilometer später zickte das Getriebe der Diva. Doch woher ein neues, wenn der Wagen schon so schwer zu finden war.
Monate vergingen und schnell war klar: So schnell kommt die japanische Fairlady nicht wieder auf die Straße. Zu viel war inzwischen passiert, zu viele Wehwehchen an der Tagesordnung.
Getriebe, Bremse und allerlei anderer Spielsachen liegen bereit. Doch die Zeit ist noch nicht gekommen. Die Reifen sind wieder platt. Die Batterie ist wieder leer. Und die Bremsen erst … so fest wie der Entschluss, diese große Liebe doch „diesen Sommer“ wieder auf die Straße zu bringen.

Der Werwolf lebt

Wir schreiben das Jahr 2016. Nach 5 Jahren der Einsamkeit - der Datsun war eingepfercht in einer engen Garage - scheint endlich ein Hauch von Hoffnung auf unseren blauen Freund.
Inmitten von Nacht und Neben wird mit reduziertem Werkzeug, einer Batterie und etwas Startspray der Versuch gewagt, den Datsun auf eigener Achse in die heilige Halle des PS-Flüsterers zu fahren. Der Versuch gelingt und mit lautem Fauchen und mächtigem Hunger macht sich das mächtige Triebwerk an die Arbeit. Der Z schiebt sich langsam aus den vier Wänden und blickt verstaubt und lüstern in die düstere Nacht. Was ein Moment! Gänsehaut am ganzen Körper!

Der Plan war, den mitgebrachten Golf in der Garage abzustellen und dem Datsun mit deinen roter Nummer auf die Straße zu lassen. Doch der Plan ist schnell über Bord geworfen. Beide Autos müssen raus auf die Straße! Wer so lange warten musste, der verdient einen angemessenen Start. Ohne Öl, ohne Sprit, ohne rote Nummer. Ab aufs Gas und ab nach draußen in die Welt.
Die nahegelegene Werkstatt wartet schon. Schnell werden noch ein paar Sternenträger geschnupft, ein BMW an der Ampel verblasen und mit quietschenden Reifen die letzten Kurven genommen. Es scheint, als sei der 260Z nur so lange unberührt geblieben, um diesen Moment so epochal wie nur eben möglich zu machen. Ein Wahnsinns Event! Herrlich.

Am nächsten Tag wird der Datsun genauer unter die Lupe genommen. Innenraum und Karosserie benötigen keine Aufmerksamkeit. Die Reifen jedoch sind zwar keine 100km gelaufen, haben aber doch über die Standzeit eine gewisse Kante abbekommen. Wenn auch nur unten. Hier muss also ein neuer Gummi bestellt werden.
Dichtungen, Bremsen, Schläuche…alle samt ein Punkt auf der Todo Liste. Doch den meisten Spaß wird das Getriebe machen. Eine längst fällige Geschichte und seit Jahren bekannt. Es geht um eine Schwachstelle innerhalb des L26 Getriebe. Die Gänge bleiben nicht mehr an ihrer Position.
Gut, dass bereits ein kompletter Block mitsamt Getriebe, Vergaser und Klimaanlage bereit liegt. Schlecht jedoch, dass am Eingang der Kurbelwelle ein Transportschaden den Spaß verdirbt. So muss schlichtweg aus zwei Getrieben ein voll funktionsfähiges gebaut werden. Ein spannendes Kapitel.

Es bleibt also spannend. Und ja, „dieser Sommer“ wird „der“ Sommer werden, in dem der Werwolf wieder fahren darf.

Monate vergehen…

Nicht nur das Getriebe macht große Freunde, nein, auch die Dichtungen kommen kurzerhand neu. Zumindest so der Plan. Angefangen hat der ganze Spaß mit dem Simmerring am Getriebe. Dieser war nämlich kaputt. Und falsch eingesetzt. Und überhaupt erst einmal gar nicht für das Auto. Echten Helden waren hier am Werk, wie uns scheint.
Nachdem nach entsprechender Recherche klar war, welcher Simmerring benötigt wird (und das dieser ein nach links drehende Innengewinde braucht), fanden wir einen in Frankreich.
Doch nicht nur Dichtungen waren das, was uns Freunde bereitete, nein, auch der Krümmer - so krumm wie ein türkischer Säbel - brauchte unsere volle Aufmerksamkeit.
Durch das Alter hatte sich das Material verzogen und musste auf der Werkbank gerade geklopft werden. Zudem fanden auch neue Bolzen am Krümmer ihr neue Zuhause.

Dazu kommt, dass natürlich auch Krümmer und Ansaugbrücke nicht mehr plan aufeinander saßen. Also durfte gleich mal das Schleifgerät zeigen, was kann. Irre! Denn erst, wenn alles dicht ist, macht es auch Sinn, sich die Vergaser vorzunehmen. Genau wie die Klöße, wird hier eins nach dem anderen - Schritt für Schritt - erledigt.
Das macht nicht nur Spaß, sondern rächt sich auch später nicht.

Übrigens spülten wir in dieser Phase auch gleich den Kühler einmal richtig durch. Die braune Schlacke darin fühlte sich nach fast 40 Jahren zwar sehr zu Hause, gefiel uns dann aber doch nicht so gut, dass wir sie behalten wollten.

Bei Vollmond heulen die Wölfe

Tage und Wochen ziehen ins Land und der Werwolf erlangt immer mehr Kraft und neues Leben. Aus dem einst vergessenen, versteckten und verloren geglaubten Raubtier wird eine stolz nach Kraft strotzende Bestie.
Der Motor schreit, die Reifen krallen sich in den Asphalt und es fühlt sich fast so an, als wäre der Wagen nie über Jahre hinweg abgestellt worden.

Schnitt. Ein paar Wochen zurück. Wir haben die Technik soweit in den Griff bekommen, dass wir es wagen, den Werwolf dem TÜV Prüfer zu überlassen. Ein Fachmann, der sonst bei den Wildkatzen aus England die Nase tief in die Brennräume steckt. Ein echter Domteuer und Connaisseur also, der keine Angst vor wilden Tieren hat.
Doch der gute Mann ist entzückt und freut sich wie ein Schneepudel der endlich zum Strullern an die Luft darf.
Die erste Hürde ist geschafft. Weiter gehts. Das H ist schon zum Greifen nahe. Was folgt ist ein Besuch vom Gutachter der Classic Data. Ebenfalls ein Fachmann, dem das Strahlen im Gesicht klebt, wie die Gurkenscheibe bei McDonalds an der Decke. Der Werwolf weiß eben, wie er die Menschen beglückt. Da kann selbst die Zulassungsstelle nichts sagen und erteilt alle nötigen Stempel und Sticker. Sieg auf allen Fronten und ein voller Erfolg.

Weitere Alltagseisen

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